50 Jahre Theatergruppe Bergheim

vom 07.10.2026

Unsere Theatergruppe feiert 50 Jahre!

Anlässlich unseres besonderen Jubiläums hat unsere Schriftführerin Nadine mit zwei einzigartigen Menschen gesprochen, die unsere Theatergruppe über viele Jahre hinweg geprägt und mitgestaltet haben. Sepp Feldinger und seine Tochter Anneliese Ebner nehmen uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählen, wie die Theatergruppe Bergheim gegründet wurde, was unseren Verein bis heute ausmacht und was die Zukunft bringen wird.

Hier könnt ihr das spannende Gespräch nachlesen und mehr über unsere Theatergruppe erfahren…

Nadine: Die Theatergruppe Bergheim besteht nun schon seit 50 Jahren. Sepp, du als Gründungsmitglied und langjähriger Obmann unseres Vereins, nimm uns doch kurz auf eine kleine Zeitreise mit… Wie hat alles begonnen.?

Sepp: Ja, begonnen hat alles indem, dass Peter Hirscher das veröffentlicht hat, dass er in Bergheim, er ist ein gebürtiger Annaberger, eine Theatergruppe gründen möchte. Er hat gemeint, er möchte im Pfarrheim oben, also bei der Kirche, eine Versammlung machen und um Mitglieder werben, um eine Theatergruppe zu gründen. Nachdem ich in Wals auch schon Theater gespielt habe, von der Katholischen Jugend aus, so eine kleine Faschingsgaudi, hat mich das interessiert. Beim Pfarrhof haben wir dann ein paar Szenen vorspielen müssen und jeder hat sich vorgestellt. 

Nadine: Also wie ein Vorstellungsgespräch, eine Bewerbung?

Sepp: So ähnlich genau, ganz genau. Kurze Szenen aus dem Stegreif.

Anneliese: Sind da welche nicht aufgenommen worden auch?

Sepp: Das weiß ich heute nicht mehr. Die Gründungsfeier war zwar im März, aber da haben wir schon gespielt. Die Gründung war im Spätherbst und dann war gleich die Rollenverteilung. Und, das weiß ich noch genau, eine Woche vor Palmsonntag waren wir fertig mit dem Spielen und am Palmsonntag sind wir schon auf Ausflug gefahren. 

Nadine: Gleich die Einnahmen wieder ausgegeben.

Sepp: Ja, da haben wir schon einige Zuschauer gehabt, da haben wir gespielt in Elixhausen, in der Nachbarschaft „Das Verbotene Busserl“.

Nadine: Das war das erste Stück.

Sepp: Ja, da haben wir insgesamt 1.600 Zuschauer und 8 Aufführungen gehabt. Und das hat sich dann alles erweitert, der Erfolg war da.

Nadine: Ist gut angekommen?

Sepp: Ist gut angekommen, ja, dann haben wir im Herbst 1977 schon wieder gespielt „Kein Verbrechen bleibt ungesühnt“. Da sind wir dann schon weitergegangen von der „Nachbarschaft“ sind wir dann schon raus nach Wals zum Santner, im Harrer Saal haben wir gespielt, und in der Turnhalle Annaberg. Ja, ist dahingegangen, eins nach dem andern.

Nadine: Also fixe Spielstätte war nicht Bergheim, sondern die umliegenden Gemeinden.

Sepp: Ja, genau, da haben wir noch keinen Saal gehabt. Wir haben praktisch dann in Elixhausen gespielt, und in Obertrum und in Wals. Vor Weihnachten waren wir fertig und dann hat unser Obmann gemeint, wir sollen zwischen Weihnachten und Neujahr in Annaberg spielen. 

Anneliese: Also der Obmann hat kurzfristig gemeint „spielen wir da auch noch ohne langem Vorbereiten“, nicht so wie‘s jetzt ist mit einer Vorlaufzeit von mindestens einem Jahr.

Nadine: Da hat man noch nicht lange überlegt.

Sepp: Ja genau. Und dann war das so, dass sich das nicht ausgegangen ist, dass wir da reingefahren sind nach Annaberg. Und das weiß ich noch gut, da ist unser Obmann zu mir hergekommen und hat gemeint, er hört auf. Im Jänner haben wir dann eine Jahreshauptversammlung gehabt, Jänner 1979. Dann ist er zurückgetreten, dann hat es eine Neuwahl gegeben und seitdem bin ich dann Obmann gewesen bis 2009, also 30, eigentlich 31 Jahre.

Sepp: Auf jeden Fall haben wir‘s nicht einfach gehabt, mit der Bühne und alles, das war ein Wahnsinn. Von Obertrum nach Wals, da sind wir um 4 Uhr in der Früh mit dem Traktor, mit dem Ladewagen hin gefahren und haben die Bühne gebracht, und alles aufgebaut. Um 2 Uhr Nachmittag haben wir dann spielen können.

Anneliese: Die Bühnenarbeiter waren auch gleichzeitig die Spieler, Eintritt und so weiter. Alle haben alles gemacht.

Sepp: Ja, das war ein Wahnsinn, das war so ein Zusammenhalt.

Anneliese: Und geprobt habt ihr wo?

Sepp: Zuerst beim Hirscher dann beim Paul Bauer. 

Anneliese: Bis in die Früh oft, oder?

Sepp: Ja, hi und da ist‘s schon sehr lustig gewesen.

Nadine: Einfach ein großer Aufwand, mit Proben, Bühne auf und abbauen und allem.

Sepp: Ja, es war einfach ein Zusammenhalt da, wenn du das heutzutage irgendwem sagst, der lacht dich aus.

Anneliese: Eine kleine Anekdote musst du auch noch erzählen. Bei welchem Stück war das mit der Büchse?

Sepp: Ja, „Kein Verbrechen bleibt ungesühnt“, da war ich… Was war ich da? Keine Ahnung…

Nadine: Du hast auf jeden Fall auch mitgespielt.

Sepp: Ja, auf jeden Fall wollten sie mich erschießen und das Gewehr ist nicht losgegangen. Und die nächste ist reingekommen „Was ist da los, wer hat geschossen?“, aber sie hat ja gar keinen Schuss gehört.

Nadine: Und bist du dann ermordet worden oder nicht?

Sepp: Ja, ich bin unter den Divan reingekraxelt. 

Sepp: Unser erstes Stück, wo ich die Führung hatte, „Wenn der Auerhahn balzt“, das war ein ganz ein lustiges Stück. Holladrio. Es ist sehr gut angekommen, wir haben da fast 2.000 Zuschauer gehabt. Alle zwei Jahre haben wir gespielt. Und das Schönste war dann, wo das Feuerwehrhaus gebaut wurde und wir einen eigenen Saal bekommen haben.

Nadine: Dann habt ihr endlich eine Spielstätte gehabt.

Sepp: Ja, 1989 war das. Da haben wir dann ein Eröffnungsstück gehabt „Der Flachgauer Picasso“, ist sehr gut angekommen. Zuerst war die Gaudi unten bei der Feuerwehr bei der Eröffnung und dann sind wir raufgegangen und haben unser Theater aufgeführt.

Nadine: Was ist deine liebste Erinnerung aus 50 Jahren Theatergruppe Bergheim? 

Sepp: Eines von den schönsten Ereignissen war, dass wir die Kindertheatergruppe gegründet haben. Und das lebt heute noch und mit ganz, ganz großer Arbeit mit der Anneliese. Ja, das ist eines meiner schönsten Erlebnisse, die ich hatte, dass das aufgegangen ist. Weil ich hab das einfach mal bei der Vorstandssitzung vorgeschlagen. Wie wir die Theatergruppe gegründet haben, da sind zwei Kinder dagewesen, meine zwei Kinder, die Anneliese und der Sepp. Und ich bin damals 26 Jahre alt gewesen und sonst lauter Junge. Und mit zwei Kindern kannst du keine Theatergruppe machen. Und 1989 nach der Eröffnung vom Mehrzweckhaus haben wir die Kindertheatergruppe gegründet. Zuerst habe ich und der Burghardt Gerhard mitgeholfen und die Fanny Hutzinger und da haben wir die ersten Stücke gespielt.

Nadine: Also das war aber dann schon immer so, dass die Kinder gespielt haben?

Anneliese: Am Anfang nur die Kinder. Das haben wir dann später angefangen, dass ein paar Erwachsene auch mitspielen.

Sepp: „Die schlaue Oma“ war das erste Stück.

Anneliese: Da waren aber mehr dabei als die Theaterkinder.

Sepp: Ja, viel mehr. Das ist eine der schönsten Erinnerungen.

Nadine: Ja, das ist auch auf jeden Fall was Besonderes, wenn die Kinder selbst spielen, das gibt’s sonst nirgends.

Sepp: Sonst haben wir auch noch schöne Sachen gemacht. Wir haben Grillabende gemacht, Ausflüge. Ich hab damals nie gedacht, dass wir mal 50 Jahre alt werden, das ist ganz was Schönes.

Nadine: Man hat da mal so eine Idee und dann wird tatsächlich was Großes draus…

…

Nadine: Anneliese du als Obfrau führst eine Familientradition weiter, aber unsere Theatergruppe ist natürlich mehr als das. Du prägst unseren Verein mit deinen Ideen und deinem Tatendrang. Auf welche Erfolge nach fast 20 Jahren im Amt der Obfrau bist du besonders stolz?

Anneliese: Ich hätt jetzt mal gesagt auf den ersten Erfolg, dass ich mich getraut hab, dass ich das Ganze weiterführe. Für viele war das komplett klar, für mich nicht so, ich hab mich da schon erstmal reindenken müssen und es ist einfach richtig viel Arbeit und eine große Verantwortung, dass man einfach nicht Irgendwas, sondern schon was Gutes macht. Aber ich hab immer tolle Leute um mich herumgehabt, einen guten Ausschuss, immer. Und auf die Theaterer ist Verlass, wenn‘s zum Arbeiten ist, sind die da. Das ist mal das Erste, worauf ich stolz bin, dass ich mich getraut hab und dass ich gesehen hab, dass es aufgeht, weil der Zusammenhalt da ist, wie Papa schon gesagt hat.

Anneliese: Auf was ich weiter stolz bin, ist, dass wir Mitglieder von 0 bis 76 Jahre dabeihaben, und dass sich die nicht einander ausschließen, sondern einander ergänzen. Und jetzt muss ich nochmal aufs Kindertheater zurückkommen, auf das bin ich auch stolz, dass wir das weitergeführt haben und dass es uns immer wieder gelingt, dass alle, die spielen wollen, auch spielen dürfen. Also alle Kinder, sobald sie laufen können, sind sie als Mäuschen fix dabei, bekommen eine Rolle, wir schreiben einfach so viele neue Rollen dazu, bis wir für alle eine passende Figur haben. Später haben wir dann eingeführt, dass ein paar Erwachsene dazukommen, weil wir manchmal einfach Rollen haben, die wir mit den Kindern nicht so gut besetzen können. Genau, und diese Spanne, von wirklich ganz klein bis ganz alt taugt mir total.

Nadine: Einfach alle gemeinsam.

Anneliese: Kindertheater als mein Steckenpferd, das ist was sehr Besonderes. Da fließt wahnsinnig viel Energie rein. Über ein Jahr Vorlaufzeit.

Nadine: Ja das ist mit viel mehr Aufwand verbunden.

Anneliese: Ja, viel mehr. Mit dem Kernteam ursprünglich mit Gerlinde und Franziska, jetzt erweitert mit der Eva seit ein paar Jahren schon. Ein super, super Team muss ich sagen, und erweitert jetzt noch durch Maria und natürlich die Eltern von den Kindern, die sich auch komplett reinhängen mit Kostümen suchen, nähen, gestalten, extrem cool. Also wahnsinnig viel Energie, die man reinsteckt, aber es kommt einfach so richtig zurück bei den Aufführungen, Gänsehautfieber pur.

Nadine: Wahnsinn ja, wenn man das dann bei den Kindern im Publikum sieht.

Sepp: Ja, Wahnsinn.

Anneliese: Und einfach auch schön mitzuerleben, wie sich die Kinder entwickeln, wenn man die Kinder spielen sieht und dann spielt man 3 Jahre drauf und dann denkt man sich um Gottes Willen, was ist aus dem Kind jetzt geworden, das spielt ja schon wie ein Erwachsener. Und diese vielen Kompetenzen, die man durchs Theaterspielen lernt, vor allem die Kinder, aber auch die Erwachsenen, das taugt mir einfach so. Nicht nur Text auswendig lernen, sondern kreativ sein, diszipliniert sein, warten, bis man endlich drankommt beim Proben, oder bis man auf die Bühne darf.

Nadine: Ja voll, das macht auch was mit der Persönlichkeit.

Anneliese: Komplett! Und unsere Mauserl, die sich dann weiterentwickeln und dann größere Rollen übernehmen, auf die bin ich auch ganz stolz. 

Nadine: Ja, also jeder fängt mal als Maus oder Ameise an.

Anneliese: Oder Glühwürmchen.

Anneliese: Ja, aber ich bin auch stolz, dass wir das Erwachsenentheater noch weiter geschafft haben, aber es wird zunehmend mühsam, nicht für mich persönlich, aber weil jeder weiß, dass der Aufwand ein Wahnsinn ist, wenn man da mitspielt. Da traut sich fast keiner mehr drüber, und das ist extrem schade, aber ich kann‘s verstehen.

Nadine: Ja sicher, die Erwartungshaltung ist auch da.

Anneliese: Ja, die ist groß, genau.

Anneliese: Das Arbeiten als Obfrau macht mir grundsätzlich total Spaß, weil ich immer noch, nicht nur bei der Übernahme, sondern auch jetzt ein tolles Netz habe. Euch alle miteinander, den Vorstand, dann dieses erweiterte Kindertheater-Team, und alle anderen, die zusammenhelfen. Und es ist wirklich so, wenn man ausschreibt, es ist was zu tun, dann sind die Leute da. 

Nadine: Kannst du uns noch eine Vorschau geben?

Anneliese: Es ist gerade schwierig, dass sich Erwachsene zum Spielen melden, weil sie wissen, was dranhängt, mal schauen, was draus wird. Wir denken einen Sketche-Abend an. Ich freu mich total auf das Krimidinner bei der 50 Jahr Feier dieses Wochenende, das wird sicher toll.

Nadine: Warum braucht Bergheim die Theatergruppe?

Anneliese: Ich geh persönlich auch gern in kritische Stücke, aber ich wage zu behaupten, dass die Masse der Menschen gern in lustige Stücke gehen möchte, um sich unterhalten zu lassen, um abzuschalten, um einen schönen Abend zu haben und das ist eigentlich unser Ziel, das wir vor Augen haben. Wir haben selten bis gar keine kritischen Stücke gespielt, eher Boulevardkomödien und bei der Linie werden wir auch bleiben. 

Nadine: Macht auch am meisten Spaß, uns und dem Publikum!

Weitere Neuigkeiten

Alle Neuigkeiten